Peter Lanzet
Postkoloniale Solidarität, Geopolitik und wirtschaftliche Interessen
Indiens Entwicklungszusammenarbeit

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Land, das selbst nur Rang 130 auf der UNDP-Skala der menschlichen Entwicklung einnimmt, zugleich als Geber mit eigener Entwicklungszusammenarbeit (EZ) auftritt. 68,8 Prozent aller Inder/-innen leben von weniger als zwei US-Dollar am Tag. Indiens EZ dient der politischen Unterstützung und dem Marketing indischer Produkte, vielleicht noch stärker als die EZ der traditionellen Geber. Wie alle EZ bewirkt auch die indische einen Strukturwandel und stellt traditionelle Formen der Existenzsicherung in den Nehmerländern in Frage. Die indische Zivilgesellschaft hat es bisher nicht geschafft, von der eigenen Regierung eine Rechenschaftslegung für die indische EZ zu erreichen. Um sie wirkungsvoll einfordern zu können, bräuchte es mehr Beteiligungsmöglichkeiten und die Transparenz.

Zum Autor:

Peter Lanzet arbeitete 35 Jahre für Brot für die Welt und ihre Vorgängerorganisationen EZE und EED. Zunächst förderte und begleitete er die Projekte und Programme südasiatischer Partner. Anschließend baute er die Fachstelle Entwicklungsfinanzierung und Entschuldung auf. Heute ist er Berater für Entwicklungsfinanzierung und die Wirksamkeit von Entwicklung in Bonn.