Thomas Stauber
Hymnenstreit in Indiens Kinos
Der „Popcorn-Patriotismus“ nimmt gewalttätige Züge an

In Indien sorgen derzeit gewalttätige Übergriffe im Namen der Nationalhymne für Aufsehen. Immer häufiger werden vermeintlich anti-national gesinnte Menschen beschimpft und verprügelt. Dabei macht der Chauvi-Nationalismus auch vor den Kinosälen des Landes nicht halt. Seit Ende letzten Jahres muss – nach höchstrichterlicher Entscheidung – vor jeder Filmvorführung die Hymne erklingen. Und wer sich dabei nicht vom Platz erhebt, läuft Gefahr, angepöbelt, verprügelt oder gar von der Polizei abgeführt zu werden. Vor dem mittlerweile handgreiflich gewordenen „Popcorn Patriotismus“ sind selbst Menschen mit Behinderung nicht sicher. Das Klima der Denunziation wird zudem durch das Urteil des Obersten Gerichtes legitimiert, das für alle Kinos des Landes die Hymnen-Pflicht eingeführt hatte. Das Urteil ist umstritten, doch die Regierungspartei kann es als wichtigen Sieg auf dem Weg verbuchen, ihre hindu-nationalistische Agenda durchzusetzen.

Zum Autor:

Thomas Stauber (Name geändert) ist Soziologe und freier Autor und befasst sich unter anderem mit den Themen Hindu-Nationalismus und sozialen Bewegungen in Indien.