Wolfgang Massing
Indisch-pakistanische Beziehungen auf einem Tiefpunkt
Nach 70 Jahren Unabhängigkeit überwiegt das Misstrauen

Es sah nach einem Neustart in den angespannten indisch-pakistanischen Beziehungen aus, als Premierminister Modi nach seiner Wahl im Mai 2014 seinen Kollegen Nawas Sharif zu seiner Amtseinführung nach Delhi einlud. Aber nach zwei Jahren sind die Bemühungen beider Regierungen, den bilateralen Dialog wieder aufzunehmen, vor allem am Terrorismusproblem und am erneut aufbrechenden Kaschmirkonflikt gescheitert. Ebenso driften die außenpolitischen Orientierungen beider Länder wieder auseinander: einerseits die wachsende Anlehnung Pakistans an China, andererseits die strategische Partnerschaft Indiens mit den USA. Ebenso begrenzen die zunehmend aufgeheizte natio-nalistische Stimmung und die kriegerische Rhetorik in beiden Ländern den Spielraum für eine Politik gutnachbarschaftlicher Beziehungen. Ansatzpunkte für eine Wiederaufnahme des Dialogs sind derzeit nicht erkennbar.

 

Zum Autor:

Wolfgang Massing arbeitete im Auswärtigen Amt, unter anderem von 1986-1989 als Pressereferent an der Botschaft Neu- Delhi und von 1996 bis 2000 als Leiter des Südasienreferats. Nach seinem Ruhestand war er als Lehrbeauftragter für den Fachbereich Südasien von 2007-2009 an der Uni Freiburg und seit 2009 an der Uni Bonn tätig. Seit 2008 gehört er außerdem dem Vorstand der Andheri Hilfe an.