Sanjay Srivastava
Mob und Raserei
Zum Charisma der Gurus

Der indische Guru Gurmeet Ram Rahim Singh wurde am 25. August wegen sexueller Übergriffe auf zwei Frauen aus seiner Jüngerschaft für schuldig befunden und drei Tage später zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Nicht die erste Begegnung des Gurus mit der Justiz: Früher schon gab es Ermittlungen gegen ihn wegen Mordes und Zwangskastrierung. Gurmeet Ram Rahim Singh leitet nach eigenen Angaben seit 1990 die spirituelle Bewegung Dera Sacha Sauda mit Sitz im Bundesstaat Haryana und zählt rund 60 Millionen Anhänger/-innen. Der jüngste Prozess und die Urteilsverkündung waren von Unruhen begleitet. Ein Mob, bestehend aus seiner Anhängerschaft, protestierte gewalttätig in Panchkula, legte Brände, verursachte den Tod von 35 Personen, viele Verletzte und einen erheblichen Schaden am öffentlichen Eigentum. Eine Ausnahme, oder verleitet das Charisma von Gurus grundsätzlich zur Raserei? Hat der Friedensbotschafter Sri Sri Ravi Shankar möglicherweise mit Gurmeet Ram Rahim Singh manches gemein?

 

Zum Autor

Sanjay Srivastava ist Soziologe und unter anderem Autor des Buches Entangled Urbanism. Slum, Gated Community and Shopping Mall in Delhi and Gurgaon, 2016. Sein Beitrag wurde in einer Langfassung am 28. August 2017 bei Scroll In erstveröffentlicht: https://scroll.in/article/848698/not-just-mob-frenzy-why-do-ram-rahims-female-supporters-continue-to-support-a-convicted-rapist.

Südasien 3/2017