Chandrika Kumar
Projizierung eines Indienbilds
Oder „geistige Eroberung“ Indiens?

Die Übersetzung von Kalidasas Sakontala ins Deutsche durch Georg Forster verursachte um 1800 eine ‚Indomanie‘ in Deutschland. Viele Dichter, vor allem die Romantiker, aber auch die Klassiker, wie Goethe und Herder, beschäftigten sich mit Indien und schrieben etliche Gedichte mit indischen Sujets und Motiven. Dies zeigt nicht nur eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Indien, sondern es beweist auch ein einzigartiges geistiges Interesse der deutschen Dichterwelt an Indien. Dieses Phänomen, das trotz des Mangels an einem unmittelbaren Zugang zu Indien stattfand und zur Gründung des Lehrstuhls für Indologie an der neu gegründeten Universität zu Bonn führte, gibt uns viel zu denken: Was waren anfangs die Hauptthemen und Motive, was für ein Bild Indiens wurde dadurch projiziert, wie zeitgemäß und wirklichkeitsnah war das projizierte Bild Indiens, und wie wurde Indien, also das Land und die Leute, von den Deutschen wahrgenommen? Der Beitrag versucht in gebotener Kürze auf die oben genannten Fragen einzugehen und will zeigen, wie diese Auseinandersetzung (also um 1800) der deutschen Dichter mit Indien die Geisteswissenschaft beeinflusst hat.

Zum Autor

Chandrika Kumar arbeitet seit 2011 als Assistant Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Doon Universität zu Dehradun im nordindischen Bundesstaat von Uttarakhand. Er interessiert sich für die Darstellung Indiens in der deutschsprachigen Literatur; derzeit aber auch für Briefe und die Philosophie des Dialogs.