Sandra Schlage
Goethe und die Tempeltänzerin
Anmerkungen zur Ballade „Der Gott und die Bajadere“

In seiner Ballade „Der Gott und die Bajadere“ aus dem Jahre 1797 erzählt Johann Wolfgang von Goethe in neun Strophen die Liebesgeschichte zwischen dem indischen Gott Mahadöh und einer namenlosen Bajadere, einem Tanzmädchen. Bereits zum sechsten Mal kommt dieser Gott in Menschengestalt auf die Erde, um die Menschen auf die Probe zu stellen. So testet er nach einer gemeinsamen Liebesnacht die bedingungslose Hingabe der Tänzerin, indem er sich tot stellt. Gegen den Widerstand der Priester folgt die Tänzerin dem Geliebten auf den Scheiterhaufen, wie damals für manche indischen Witwen üblich, nicht aber für Tänzerinnen. So besteht sie dessen Prüfung und der Gott offenbart seine übermenschliche Natur, indem er sie aus den Flammen rettet. Hat Goethe den indischen Hintergrund authentisch erfaßt?

Zur Autorin

Sandra Jasmin Schlage ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Asiatische und Islamische Kunstgeschichte der Universität Bonn, wo sie auch im Rahmen ihrer Promotionsarbeit über Tanzdarstellungen in südindischen Tempelreliefs forscht. Sie ist sie selber Tänzerin und Lehrerin für Bharata Natyam (Klassischer indischer Tanz).