Payal Kapoor
Stimmen mit Vision
Ein indischer Radiosender von und für Blinde schreibt Geschichte

Schalten Sie Radio Udaan ein, den Community-Radiosender im Internet, dem es in nur sechs Monaten gelungen ist, das Leben zahlreicher sehbehinderter Inder aufzuhellen! Mit einem vierstündigen Programm bereichert das Radio täglich das Leben einer wachsenden Zuhörerschaft durch Amüsantes und Wissenswertes, ergänzt durch Alltagshilfen für Blinde. Dabei legen die ehrenamtlich tätigen Betreiber besonderen Wert darauf, das Publikum in die Themengestaltung und die Live-Sendungen mit einzubeziehen.

 

Jyoti von Radio Udaan ist verantwortlich für die Webseite (c) Radio Udaan

 

Jyoti ist Mitglied des Kernteams von Radio Udaan, sie hat die Webseite des Radios erstellt und pflegt sie. Jyoti kommt aus dem Pandschab in Nordindien © Radio Udaan

Udaan” ist Hindi und bedeutet: „einen Flug unternehmen“. Radio Udaan nennt sich selbst: „Flug des Lebens“. Tagtäglich nimmt der indische Community-Sender mit seinem Programm Tausende seiner Zuhörer/-innen zu vielfältigen Erlebnissen mit. Die Initiative ging von Menschen mit Sehbehinderungen aus; sie ist die erste ihrer Art in Indien. Das Programm wird auch von ihnen produziert und gesendet.


Entstehung
Die untenstehende Tabelle skizziert, wie sich Community Radios in Indien entwickelt haben.

Unser Community Radio und seine Entwicklung in Indien

Februar 1995   Der Oberste Gerichtshof entscheidet, dass Ätherwellen Gemeinbesitz sind. Damit entwickeln sich nun private Radiosender, die wegen des alleinigen Besitzanspruchs der indischen Regierung bisher nur wenig Chancen hatten, Sendungen zu produzieren.
     
September 1996   Eine Interessengruppe in Bengaluru (Bangalore) namens Voices hält eine Mitgliederversammlung ab, auf der sie für die neu vorgeschlagene Struktur eine dritte Ebene fordert – das Community Radio. Daraus gehen lokale Radioanstalten von All-India-Radio – dem bis dato einzigen öffentlichen Radiosender des Landes – hervor. All-India-Radio muss nun – wenn auch nur in begrenztem Umfang - Sendezeit und Frequenzbereiche mit den Community Radios teilen.
     
Juli 2000   Während eines von der UNESCO finanzierten Workshops, dessen Gastgeber die in Telangana (Andhra Pradesch wurde 2014 in die zwei Bundesstaaten Telangana und AP aufgeteilt) ansässige NGO Deccan Development Society (DDS) ist, wird von der Pastapur Initiative in Hyderabad eine bahnbrechende Erklärung verabschiedet. Darin wird die Regierung aufgefordert, aus ihrer Absicht, das Radio vom staatlichen Monopol zu befreien, logische Schlüsse zu ziehen und nicht nur Privatunternehmern, sondern auch Gemeinschaften aus der Zivilgesellschaft Platz in den Medien zur Verfügung zu stellen. Community-Sender wollen ihre eigenen Sendestationen eröffnen und fordern Lizenzen dafür.
     
Dezember 2002   Die indische Regierung erlässt die ersten Richtlinien für den Betrieb von Community Radios, beschränkt die Teilnahme aber ausschließlich auf pädagogische Institutionen. Das enttäuscht die an den Rand gedrängten Gemeinschaften, die nicht gehört werden und die gehofft hatten, aus der Öffnung Nutzen zu ziehen.
     
November 2006   Die Regierung macht dem Community Radio-Sektor weitere Zugeständnisse, indem sie auch nicht-kommerziellen Organisationen gestattet, Radiosender zu besitzen und zu betreiben.
     
Oktober 2008   Der erste Community-Radiosender, für den eine NGO eine Lizenz bekommen hat, nimmt im Staat Telangana seinen Betrieb auf. Sangham Radio wird von der Deccan Development Society gefördert.
     
Februar 2014   Udaan, das erste internetbasierte Community Radio, nimmt den Betrieb auf. Es wird von sehbehinderten Radio-Enthusiasten gestaltet und richtet sich auch hauptsächlich an Menschen mit Sehbehinderung.


Die Anfänge

Radio Udaan entstand aus dem Wunsch, mit der Community der Sehbehinderten zu kommunizieren und sie zu erreichen. Der gemeinsame Traum einer Gruppe von Freunden wuchs trotz großer geographischer Entfernung zueinander und nahm schließlich in Form von Radio Udaan Gestalt an. Die Idee dazu hatte der Regierungsangestellte des Staates Pandschab, Danish Mahajan. Danish hatte schon jahrelang als Direktor von Radio Voice Punjab, einem Internet-Radio, gearbeitet und hatte den brennenden Wunsch, einen eigenen Sender ins Leben zu rufen. Gemeinsam mit einigen der späteren Gründungsmitglieder entwickelte er das Konzept. Das Internet sowie die Software, die Sehbehinderte benutzen, sollten als Medium genutzt werden. Die Vision war ein Radio von Blinden für Blinde, mit dem nicht nur die eigene Community, sondern auch andere erreicht werden sollten. Das Kern-Team bestand aus Mitgliedern unterschiedlicher Herkunft. Dazu gehörten ein Sozialunternehmer, ein Anwärter im öffentlichen Dienst Indiens, ein junger Akademiker mit abgeschlossenem Studium, ein Angestellter einer Regierungsorganisation und ein Hotelier in Rente. Der rote Faden war die Sehbehinderung und die Vision, das Projekt in die Tat umzusetzen. Die erste Sendung ging am Sonntag, dem 2. Februar 2014, um 19 Uhr über den Äther.


Das Team

Bei Radio Udaan arbeiten alle Beteiligten ehrenamtlich. Ziel ist es, Informationen zu verbreiten und die Zuhörerschaft zu unterhalten, zu stärken und zu bilden. Die Verfassung ist demokratisch, jede/r Beteiligte hat eine Stimme. Von der Gründungskerngruppe bis zu den Radio-Moderator(inn)en und den Zuhörer(inne)n kommen alle zusammen, um zu entscheiden, was gesendet werden soll. In vollkommener Harmonie koordinieren sie die Vernetzung des Inhalts, verwalten die Software und Foren, stellen Speicherplatz für die Website bereit, besprechen das Design und kümmern sich um die Finanzen, die Verwaltung und die Werbung. Jede/r Beteiligte hat außerhalb des Radios ihr/sein eigenes Berufs- und Privatleben. Die Initiative hat viele Stimmen. Im Folgenden nenne ich Funktionen und Namen der Mitglieder des Kernteams:

Direktorin: Ms. Minal Singhvi
Programm-Managerin: Ms. Jyoti Malik
Generalsekretär: Mr. Danish Mahajan
Beigeordneter Sekretär: Mr. Saif Rehman
Berater: Mr. Rajeev Bhambri
Mediensprecher: Mr. Balanagendran


Neben den sechs Mitgliedern dieser Kerngruppe sind die Moderator(inn)en die Seele des Radios. Sie wählen das Thema, schaffen den Inhalt, planen die Produktion und führen alles selbst aus. Die 25 Moderator(inn)en des Senders Udaan kommen aus dem Pandschab, aus Mumbai, Chennai und Chhattisgarh und haben überall in der Welt, in 120 Ländern, ihre Zuhörer/-innen.


Den Start vorbereiten

Der fachliche Reichtum der beteilig­ten Leute sowie die umfangreiche vorhandene Logistik und Infrastruktur spiegeln sich in einer Fülle möglicher Themen, eingesetzter Techniken und angesprochener Zielgruppen und Ideen wider – alles ist in Bewegung.


Da die Gründungsmitglieder unterschiedlicher Herkunft sind und unterschiedliche Interessen mitbringen, dauerte es nicht lange, das vielfältige Programm aufzustellen. Zu Anfang wurden die wichtigsten Interessenvertreter nach ihrer Meinung gefragt: die potenziellen Zuhörer/-innen. Eine E-Mail-Kampagne wurde auf den Weg gebracht, Freunde und Freundesfreunde um Vorschläge gebeten. Ziel war es, ein Radio von Hörern für Hörer zu schaffen.


Der Mechanismus
Radio Udaan wendet sich an eine mehrsprachige Zuhörerschaft. Da die Zuhörerschaft sowohl das ganze Land umfasst als auch darüber hinausgeht, sendet das Radio vor allem in Hindi oder Englisch, oft auch in beiden Sprachen in derselben Sendung. Über die Nutzung einer Website ist es möglich, online auf Sendung zu gehen. Da diese Technik in Indien nicht zur Verfügung stand, haben wir sie in den USA gekauft. Das war ein wohlüberlegter, sorgfältig ausgearbeiteter Prozess, weil alle, die etwas präsentieren, sehbehindert sind und das gesamte System selbst betreiben müssen. Deshalb muss jede ausgewählte Rechnerplattform und jede ausgewählte Software dem zugänglich sein, was für die Blinden „Augen“ sind: die Bildschirmlesesoftware JAWS (Job Access with Speech, Aufgabenzugang mit Sprache). Diese Software ermöglicht einer blinden Person, alles das zu hören, was sonst ein sehender Mensch auf dem Bildschirm sieht. Mit einigen Rechnerplattformen und Softwares ist das Programm kompatibel, mit anderen nicht. Die „Station play list“ wird als virtuelles Studio benutzt, um die Programme zu gestalten und zu senden. Alle Radio-Moderator/-innen, die die Sendungen präsentieren, und alle anderen im Sender haben gelernt, damit umzugehen. Das ermöglicht ihnen, eine Sendung bis zu ihrem Abschluss in Eigenregie fertigzustellen.


Als Hauptübertragungskanal wird Skype genutzt. Er trägt dazu bei, jede/-n Zuhörer/-in in eine Live-Sendung einzubinden. Um mehr als einem/einer Zuhörer/-in zu ermöglichen, an einer Podiumsdiskussion oder Debatte teilzunehmen, wird ein Dienstprogramm in der Station play list, der Abspielliste des Senders, installiert, das „virtuelles Kabel“ heißt. Dieses ermöglicht es dem/der Zuhörer/-in, eine Verbindung zum virtuellen Studio herzustellen und erlaubt so eine virtuelle Konferenz. Diese kann dann aufgenommen werden. Um die Sendung zu vervollständigen, werden bestimmte Softwareprogramme für die Redaktion der Beiträge und die Verbesserung der Qualität benutzt. Auch diese werden sorgfältig ausgewählt, sodass sie mit dem Bildschirmlesegerät JAWS kompatibel ist. Programme wie Goldwave und Adobe Audition bieten diese Dienstleistung an. Vor der Ausstrahlung wird eine aufgenommene Sendung zum Chef vom Dienst zur Abnahme gebracht und dort angehört, auf alle extremen atmosphärischen Geräusche geprüft, auf die erforderliche Bit-Menge gebracht und mit Musik und, wenn nötig, mit Einlagen verschönert. Dann kann das Programm auf Sendung gehen!


Wie es geschieht
Radio Udaan sendet zwei Arten von Sendungen: die Live-Sendungen, an denen Hörer in Realzeit teilnehmen, und die vorproduzierten Sendungen, die die Moderator(inn)en bequem bei sich zu Hause vorbereiten. Dabei nutzen sie entweder die Sender-Abspielliste oder Aufnahmeprogramme, die im Handel erhältlich sind. Sendungen, die die Wünsche der Zuhörer/-innen berücksichtigen, setzen voraus, dass Zuhörer/-innen ihre Wünsche auch in E-Mails oder in SMS äußern. Dabei kann es sich um ein Musikstück, ein Lied, ein Rezept oder einen Ratschlag handeln.


In den Live-Sendungen werden die Zuhörer/-innen über Skype, SMS oder auch über die Facebook-Seite des Senders mit dem/der Moderator/-in verbunden. Alle verfügbaren Kanäle werden genutzt, um die Zuhörer/-innen in die Sendungen einzubinden.


Es gibt eine lebendige Facebook-Seite, die nicht nur Programminformationen verbreitet, sondern den Hörern auch die Möglichkeit gibt, ihre Ansichten zu posten. Eine einfache, gut gepflegte Website ermöglicht es Besucher/-innen, auf einfachste Weise alle möglichen Informationen abzurufen. Man kann Einzelheiten über das Sendeprogramm der Woche erfahren, einen Kommentar hinterlassen, um archivierte Sendungen bitten und seine/-n Lieblings-Radio-Moderator/-in besser kennenlernen. Alles das kann eine Person, die vor dem Bildschirm sitzt, selbst regeln. Auf diesem ist ein „Play“-Knopf, durch den der Besucher sich unmittelbar mit dem Radio in Verbindung setzen kann. Es gibt außerdem Download-Links zu zahlreichen Anwendungen für unterschiedliche Varianten von Media-Playern für den Computer. Es gibt auch Tune-in-Apps für verschiedene Systeme von Mobiltelefonen. Dadurch kann man das Programm mühelos empfangen.


Es gibt nie genug Schwierigkeiten!
Täglich sind wir bei diesem kom­plexen Prozess mit allgegenwärtigen Schwierigkeiten konfrontiert. Indien ist ein Land mit Engpässen in der Energieversorgung. Da alle an diesem Unterfangen Beteiligten von zu Hause aus arbeiten, ist die Unterbrechung der Stromzufuhr oft ein echter Spielverderber. Mit der Internetverbindung ist es dasselbe. Aber weil viele der Zuhörer/-innen in den entferntesten Winkeln des Landes leben, muss der brillante Klang unserer Sendungen das oberste Gebot sein. Viele Zuhörer/-innen haben keinen Zugang zu einem Computer und benutzen deshalb ihre Mobiltelefone, um die Sendungen zu hören. Das erfordert Kompromisse bei der Bit-Menge der Sendung. Was ursprünglich mit 128 kbps (Kilobit pro Sekunde) gesendet werden sollte, wird auf 64 kbps heruntergefahren, damit auch Hörer/-innen am Mobiltelefon die Sendung klar und deutlich empfangen können. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten unser Radio nicht davon abhalten, weiter zu wachsen und Menschen miteinander zu verbinden!


Die Ausstrahlung der Sendungen
Jeden Abend werden vier Sendungen ausgestrahlt. Die erste fängt um 19:00 Uhr an und die letzte endet um 23:00 Uhr. Jede dauert eine Stunde. Das Radio hat wöchentlich denselben Zeitplan. Am Nachmittag von 14:00 bis 18:00 Uhr werden die Sendungen vom Vortag wiederholt, sodass Hörer/-innen, die die Live-Sendung verpasst haben, den Mitschnitt anhören können.


Es werden viele unterschiedliche Themen behandelt. Dazwischen gibt es immer Musik. Da Indien ein Land mit sehr großer Vielfalt ist, ist die Musik ebenso vielfältig, und Udaan bietet Programme, die alle Musikgattungen umfassen, von klassischer Musik über Soundtracks aus Filmen bis hin zu Hörerwunschkonzerten.


Alle wollen an den aktuellen Ereignissen auf der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bühne im Lande und in der Welt Anteil nehmen. Sie bekommen Gelegenheit dazu, indem sie an Frage/Antwort-Veranstaltungen mit Fachleuten und an Live-Diskussionen und -Debatten teilnehmen. Ein besonderer Höhepunkt war eine Podiumsdiskussion, die live während der kürzlich abgehaltenen Parlamentswahlen im Land im Mai 2014 veranstaltet wurde. Udaan versammelte in seinen Räumen blinde Journalisten, Wahl-Fachleute und einfache Bürger. Jede/r brachte ihre/seine Meinung, Gedanken und Hoffnungen zu einem besseren Morgen ein. Eine derartige Versammlung von Blinden war die allererste ihrer Art. Sie war tatsächlich ebenso historisch bedeutsam wie die Wah­len selbst.


Es gibt auch Sendungen, in denen die besten Küchentipps und Rezepte mitgeteilt werden. Indiens Vielfalt regte eine Live-Sendung an, „date with a state“. Hier geht es jeweils um einen bestimmten Bundesstaat. Zur reinen Unterhaltung gibt es auch Musikquiz­sendungen, Rätsel und Buchrezensionen. In einigen Sendungen stehen Weltfrieden und das Gemeinwesen, Brüderlichkeit und Gemeinschaftlichkeit im Mittelpunkt. In diesen Zeiten weltweiter Unruhen schmiedet das ein unzerstörbares Band.


Viele Menschen mit Problemen finden Trost, indem sie mit einem blinden Ratgeber sprechen, der sehr persönliche Fragen beantwortet und Stillschweigen darüber zusichert. In einer Talk-Show begegnen solche Zuhörer/-innen Menschen, die „es geschafft haben“, beispielsweise Blinden, die auf ihrer schwierigen Lebensreise erfolgreich sind und die als Vorbilder dienen können. Eine Sportsendung hält die Zuhörerschaft über die neuesten nationalen und internationalen Sportereignisse auf dem Laufenden.


Da sich die Technik so schnell verändert, ist es für Blinde äußerst schwierig, mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten. Experten vermitteln den Zuhörer(inne)n das notwendige aktuelle Wissen – diese Sendungen sind äußerst beliebt.


Für Job-Bewerber/-innen, die vor Auswahlverfahren stehen gibt es Sendungen, die mit Bankdienstleistungen, öffentlichem Dienst und, je nach Situation, weiteren Betrieben zu tun haben.


Die Sendungen werden je nach Beliebtheit und Wunsch ausgestrahlt. Einige davon werden nur eine begrenzte Zeit lang gesendet, dann machen sie neuen Sendungen Platz. Das hält das Interesse lebendig und gibt immer mehr Menschen die Chance, dabei zu sein.


Angestrebte Ziele
Radio Udaan hat vielen Sehbehinderten einen Traum erfüllt. Es ist ihm gelungen, Menschen aus fast allen Winkeln dieses großen Landes zusammenzubringen und ihnen durch diese virtuelle Gemeinschaft ein Forum zu schaffen. Das Community Radio hat mit sehr geringen finanziellen Mitteln, die die Kern-Mitglieder aufgebracht haben, sehr bescheiden angefangen und hat dennoch rasend schnell Fortschritte gemacht.


Wie bei jedem Ehrenamt haben auch die Moderator(inn)en inzwischen einander abgelöst, denn die meisten, die hier arbeiten, haben Berufe, die ihnen eigentlich genug Beschäftigung bieten. Das Radio verwirklicht auch den Traum Blinder, die von anderen Radiosendern als Radio-Moderator(inn)en zurückgewiesen worden sind, nur, weil sie nicht sehen können, und weil ihnen unterstellt wurde, dass sie mit der komplizierten Ausrüstung nicht zurechtkämen. In diesem Bereich kann noch vieles verbessert werden, denn mit einem besonderen Berufstraining kann der/die Radio-Moderator/-in Vertrauen in seine/ihre Fertigkeiten erwerben. Daraus ergibt sich die Chance, mit der Zeit immer besser zu werden. Adäquate Technik und ein geeigneter Arbeitsbereich können diese Bemühungen erheblich vorwärtsbringen.


Radio Udaan hatte zu Anfang nur eine bescheidene Zahl von Zuhörern aufzuweisen, heute hat es täglich eine Zuhörerschaft von durchschnittlich 500 bis 700. Das wurde innerhalb von nur sechs Monaten erreicht. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn Radio Udaan auch sein Potenzial als Arbeitgeber für Menschen mit Sehbehinderungen ausschöpfen könnte. Finanzielle Förderung durch Hilfswerke und andere externe Geldquellen könnten dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Man darf nicht vergessen, dass Radio Udaan der „Flug des Lebens“ ist. Und der Aufstieg hat eben erst begonnen.


Weitere Informationen auf www.radioudaan.com.


Aus dem Englischen übersetzt von Ingrid von Heiseler.

Zur Autorin
Payal Kapoor stammt aus der südindischen Stadt Hyderabad. Mit 22 Jahren verlor sie ihr Augenlicht vollständig und ihre Hörfähigkeit teilweise. Trotzdem hat sie ihre Laufbahn im Hotelgewerbe fortgesetzt. Sie arbeitet seit Jahren mit Blinden und schreibt in Blogs und Magazinen Artikel, die für Blinde relevant sind. In diesem Jahr (2014) hat sie ihren neuen Blog auf den Weg gebracht.

 

Südasien 3-4/2014