Fabian Falter
Glücksbringer und Elendsstifter zugleich
Ratten zwischen Verehrung und Ursache gesellschaftlicher Ausgrenzung

In europäischen Kulturen gelten Ratten als feige und hinterhältig, in Südasien unter anderem als ehrlich und kreativ. Die existierenden Rattenbilder könnten gegensätzlicher nicht sein. Aber auch in Südasien ist das Verhältnis zu den Nagern ambivalent: Während im Karni-Mata-Tempel bei Bikaner (Rajasthan) Tausende Ratten hofiert werden, lebt die Gemeinschaft der Musahar – der sogenannten rat eaters – am untersten Ende der Gesellschaft. Die „Ratte“ wird hier zur Ursache von Ausgrenzung.

Ratten sind Nagetiere und gehören wie Mäuse, die vor allem über einen kleineren Rumpf verfügen, zur Gruppe der Altweltmäuse (Murinae). Im Sprachgebrauch wird die Bezeichnung „Ratte“ oft unspezifisch für alle Gattungen der Gruppe verwendet, also auch für Mäuse. Umgekehrt werden Ratten auch Mäuse genannt. Die über 60 verschiedenen Arten weltweit unterscheiden sich in Bezug auf Größe, Fell, Körper-Schwanz-Verhältnis, Kopfumfang, Gewicht, Lebensraum und bevorzugte Nahrung zum Teil erheblich. Während die meisten Arten das Lebensumfeld des Menschen meiden, haben sich Arten wie die Wanderratte und die Hausratte an die Umgebung des Menschen angepasst und werden darum auch als „Kulturfolger“ bezeichnet. Im Allgemeinen sind die Tiere Allesfresser und können sich je nach Art bis zu zwölfmal im Jahr reproduzieren.


Ratten sind auf keinen bestimmten Lebensraum spezialisiert und daher besonders anpassungsfähig. Aus diesem Grund konnten sie sich mühelos weltweit ausbreiten und wurden ein beliebtes Objekt für Tierversuche. Wie fast alle Tiere können Ratten als Vektoren direkt oder indirekt Krankheiten übertragen. Besonders bekannt sind sie als Träger der Pest, deren Bakterien durch Bisse von Rattenflöhen auf den Menschen übertragen werden. Ob dies allein die großen Epidemien des Mittelalters auslöste, wird aber inzwischen angezweifelt. Dennoch sind in Deutschland die Betreiber der Abwassersysteme gesetzlich zur Rattenbekämpfung verpflichtet. Zu den natürlichen Feinden von Ratten gehören in erster Linie Raubvögel und Schlangen. Da letztere auch in Südasien weit verbreitet sind und vor allem auf dem Land eine Bedrohung für die Menschen darstellen, wird versucht, Ratten von den Häusern fernzuhalten. In Südasien sind hauptsächlich die weltweit vorkommenden Wander- und Hausratten sowie die Reisfeld- und die Himalajaratten verbreitet.


Das Rattenbild in europäischen Kulturen
In den europäischen Kulturen herrscht seit der Antike – Hausratten erreichten Europa vermutlich in der Römerzeit – ein negatives Bild der Nager vor. Dies ist vor allem der weiten Verbreitung der Tiere und der Ansicht, sie seien für Epidemien verantwortlich, geschuldet. Die Ablehnung der Ratten zeigt sich beispielsweise an Geschichten wie dem „Rattenfänger von Hameln“. In Fabeln gelten sie als hinterhältig und feige; Eigenschaften, die zur weitverbreiteten Verwendung der Tiere in Schimpfwörtern geführt haben: „Ratte“, „Landratte“, „Rattenloch“, „Rattenschwanz“ oder „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“. – Ratten kommen in vielen literarischen Werken vor, in Gerhard Hauptmanns Theaterstück Die Ratten (1911) dient die Verwendung der Sozialkritik. Neuere Kinderbücher versuchen dem Trend entgegenzuwirken und zeichnen ein positiveres Rattenbild. Ein Beispiel hierfür ist auch der Animationsfilm Ratatouille (USA, 2007), in dem eine Ratte einem jungen Mann dabei hilft, ein Spitzenkoch zu werden.


Das Rattenbild in Asien: Ehrlichkeit, Kreativität und hitziges Gemüt
Obwohl – wie noch deutlicher werden wird – Ratten in Asien ambivalent gesehen werden, ist im Vergleich zu Europa ein deutlicher Unterschied in der Wahrnehmung feststellbar, wenngleich Ratten und Mäuse auch hier häufig gleichgesetzt werden. Sowohl im chinesischen wie auch im südasiatischen Kulturkreis werden ihnen Eigenschaften wie Ehrlichkeit und Kreativität, aber auch Gier, Verschwendungssinn und ein hitziges Gemüt zugeschrieben. Die Ratte ist das erste Tier der chinesischen Tierkreiszeichen. Wer im Jahr der Ratte geboren wurde, gilt als intelligent, selbstbewusst und hart arbeitend, aber auch als geizig. In Südasien verleihen die körperlichen sowie die zugeschriebenen charakterlichen Eigenschaften einem Tier seinen Symbolcharakter: Ratten symbolisieren hier beispielsweise Fruchtbarkeit und Unaufhaltbarkeit, aber auch Gier und Plünderei. Für die Präsenz des Tieres in der Hindu-Mythologie Südasiens seien hier die beiden bekanntesten Beispiele genannt: der Karni Mata geweihte sogenannte „Ratten-Tempel“ und das Reittier des elefantenköpfigen Gottes Ganesha.


Heilige Tempelratten
In dem kleinen Ort Deshnok, 30 km südlich von Bikaner in Rajasthan, liegt der größte von drei1 Karni Mata geweihten Tempeln Indiens. Besonderheit dieses Tempels ist es, dass darin tausende Ratten leben. Karni Mata soll im 14./15. Jahrhundert gelebt haben und eine Weise gewesen sein, die der Herrscherfamilie von Bikaner nahestand. Von ihren Verehrern wird sie als Reinkarnation der Göttin Durga angesehen. Ihr Tempel wird heute täglich von Tausenden Pilgern und schaulustigen Touristen besucht. Um ihn ranken sich zwei populäre Geschichten. Eine besagt, dass ein toter Junge – teilweise ist die Rede davon, dass er ein Sohn der Herrscherfamilie gewesen sei – zu Karni Mata gebracht wurde, damit sie ihn wiederbelebe. In Trance rang sie mit dem Totengott Yama um die Herausgabe des Kindes. Yama erwiderte jedoch, dass das Kind bereits wiedergeboren worden sei. Daraufhin habe Karni Mata geschworen, dass kein Toter aus Bikaner jemals wieder das Reich Yamas betreten werde und stattdessen als Ratte wiedergeboren werden solle. Die zweite Geschichte besagt, dass eine 20.000 Mann starke Armee von einem nahegelegenen Schlachtfeld desertiert sei und bei Karni Mata Schutz gesucht habe. Obwohl für Deserteure gemeinhin die Todesstrafe vorgesehen war, verschonte Karni Mata die Soldaten und verwandelte sie stattdessen in 20.000 Ratten, die fortan im Tempel lebten.


Der Tempel erhielt seine heutige Form sowie viele seiner kostbaren Verzierungen und Rattenstatuen Anfang des 20. Jahrhunderts auf Geheiß von Ganga Singh (1880-1943), dem Maharadscha von Bikaner. Die Ratten werden von den Besuchern mit Speisen und Milch versorgt. Läuft eine Ratte einem Besucher über die Füße, wird dies als glücksverheißend angesehen. Noch größere Ehre wird dem zuteil, der einer der wenigen weißen Ratten eine Speise anbieten kann. Diese werden als Manifestationen von Karni Mata selbst oder ihren vier Söhnen betrachtet.


Mushika – das Reittier des elefantenköpfigen Gottes Ganesha
Neben den Ratten im Karni-Mata-Tempel ist eine weitere Ratte in der Hindu-Mythologie präsent: Das Reittier des elefantenköpfigen Gottes Ganesha. Obwohl der Gott in den verschiedenen Puranas unterschiedliche Reittiere benutzt, wird er heutzutage meist mit einer Ratte oder Maus dargestellt. Die Reittiere der Götter, vahana, sind wichtiger Bestandteil der Mythologie und vor allem der Ikonographie. Sie sind eng mit der jeweiligen Gottheit verbunden und repräsentieren meist die gleichen Eigenschaften: Der weiße Bulle Nandi steht genauso für Kraft und Stärke wie der Gott Schiwa, den er trägt. Manchmal symbolisiert das Reittier aber auch dämonische Kräfte, die die Gottheit besiegt und sich Untertan gemacht hat. Ganeshas Reittier als Ratte oder Maus wird Mushika genannt, manchmal auch Akhu. Eine Interpretationsmöglichkeit besagt, dass Ganesha – der „Entferner der Hindernisse“ – nutzlose Gedanken zerstört, wenn er auf Mushika sitzt. Die nutzlosen Gedanken stellt man sich als Ratten vor, die in der Nacht während der Nahrungssuche immer mehr werden, wenn sie etwas gefunden haben.


Im Ganesha-Purana wird eine Geschichte erzählt, wie der Musiker Krauncha zu Mushika wurde: Der Musiker – diese Berufsgruppe ist hoch angesehen in der Hindu-Mythologie – trat aus Versehen auf den liegenden muni (Seher) Vamadeva. Da die Füße die unreinsten Körperteile darstellen, war dies eine ernsthafte Beleidigung und Vamadeva verwandelte Krauncha im Zorn in eine Ratte – Mushika. Mushika wurde jedoch immer größer und zerstörte alles, was auf seinem Weg lag. Ganesha fing Mushika mit seinem Rüssel ein und machte ihn zu seinem vahana. Fortan konnte Ganesha bei seiner Aufgabe als Entferner aller Hindernisse auch durch kleine Löcher und über enge Pfade – sogar bei Dunkelheit – gelangen. Da Ganesha als Entferner aller Hindernisse ein sehr populärer Gott ist und in der Vorstellung der Gläubigen mit dieser Aufgabe auch alle Hände voll zu tun hat, kommt dem Reittier Mushika bei der Übermittlung von Wünschen eine wichtige Rolle zu. So lässt sich beobachten, dass viele Gläubige bei ihrem Besuch eines Ganesha-Tempels auch sein Reittier mit prasad (süßen Opferspeisen) versorgen und ihm ihre Wünsche an Ganesha ins Ohr flüstern, damit Mushika sie an Ganesha weitergebe. Obwohl sich aus der Mythologie eher ein untertäniges Verhältnis des Reittieres zum Gott herauslesen lässt, gehen die Gläubigen in der Praxis davon aus, dass Mushika leichter für sie bei Ganesha Fürsprache halten könne. Schließlich gibt es noch die Interpretation, dass Ganesha, da er sich eine Ratte zum Reittier gemacht hat, symbolisch das Hindernis der „Bedrohung der Ernten durch Nagetiere auf den Feldern“ beseitigt. Diese Aufgabe, die Felder von Ratten freizuhalten, hatte in der Region des heutigen östlichen Uttar Pradesh, Bihar und der Terai Region Nepals die Gemeinschaft der Musahar inne.


Die Musahar
Der Name Musahar leitet sich von musa (Ratte) und ahar (Ernährung) ab, also diejenigen, deren Ernährung aus Ratten besteht, was im Englischen mit rat eaters übersetzt wird. Vermutlich waren die Musahar in früherer Zeit eine Untergruppe des Bhuiya-Stammes, die in den Wäldern der heutigen Grenzregion zwischen den Bundesstaaten Uttar Pradesh, Bihar, Jharkhand, Chhattisgarh und Madhya Pradesh lebte und deren Mitglieder Blätter und medizinische Kräuter sammelten. Aufgrund der fortschreitenden Besiedelung der Ganges-Ebene wurden sie aus ihrem Siedlungsgebiet und von ihren traditionellen Tätigkeiten verdrängt und arbeiteten fortan als landlose Feldarbeiter. Zu ihren Aufgaben gehörte seither, die Felder von Ratten zu befreien. Die Stigmatisierung als „Rattenesser“ rührt daher, dass ihnen die übrigen Bevölkerungsgruppen bald unterstellten, sie würden die Ratten nicht nur vertreiben, sondern in Ermangelung anderer Nahrungsmittel auch essen. Daran hing ein ganzer „Rattenschwanz“ an Vorurteilen und Ausgrenzungen: Die den Ratten zugeschriebenen negativen Attribute, wie schmutzig, gierig, wenig spezialisiert und Allesfresser zu sein, Krankheiten zu übertragen, Schlangen anzulocken und sich rasant zu vermehren, wurden auf die mit ihnen assoziierten Menschen, ihren Geisteszustand und ihre Lebensumwelt übertragen. Ihre schmutzige Arbeit führte zur Verurteilung als unreine Gemeinschaft. Sie mussten außerhalb der Siedlungen wohnen, durften die Brunnen nicht benutzen, keine Tempel und öffentlichen Plätze betreten und mussten niedere Tätigkeiten verrichten, nicht zuletzt als bonded labourer. Wie vielen anderen Dalit-Gemeinschaften wird ihnen heute zusätzlich der Verzehr von Schweinefleisch und ein massiver Drogenkonsum, vor allem von Alkohol, Bidis2 und Kautabak (khaini), vorgeworfen.


Da die Gemeinschaft der Musahar seit 1981 im Zensus nicht mehr separat gezählt wurde, gibt es keine verlässlichen Zahlen über ihre Größe. Schätzungen der wenigen Nichtregierungsorganisationen (NRO), Journalisten und Wissenschaftler, die sich mit den Musahar beschäftigen, gehen von 500.000 bis 700.000 in Uttar Pradesh, von bis zu drei Millionen in Bihar und von etwa 170.000 auf der nepalischen Seite der Terai-Region aus. Für Bihar und Nepal liegen einige NRO-Berichte und kleinere Forschungsarbeiten vor, die sich vor allem mit dem Bildungsstatus, der Situation der Frauen und der gesundheitlichen Versorgung der Musahar beschäftigten. Ashish Bajracharya listet für Bihar beispielsweise auf, dass in diesem Bundesstaat die Alphabetisierungsrate bei Männern 2006 bei etwa 47 Prozent gelegen habe, bei Frauen bei 33 Prozent. Bei den scheduled castes seien 12 Prozent alphabetisiert, bei den Musahar nur 4,6 Prozent und von den weiblichen Musahar gerade einmal 1,3 Prozent.


Musahar im Distrikt Varanasi
Im östlichen Uttar Pradesh wurde der Gemeinschaft bislang kaum Beachtung geschenkt. Die von den Sozialarbeitern der Organisation Lok Chetana Samiti (Organisation zur Stärkung der Gesellschaft) im Winter 2010/11 durchgeführte Studie zum sozialen, ökonomischen und edukativen Status der Gemeinschaft im Distrikt Varanasi diente der Grundlagenforschung, um eine erste Idee von ihren Lebensverhältnissen zu bekommen. So war die Umfrage auch nicht repräsentativ, es wurden insgesamt 125 Personen aus 26 Musahar-bastis (Ortsteilen) befragt. Dabei ließ sich eine extreme Ausgrenzung der Gemeinschaft feststellen: Die bastis der Musahar liegen meist außerhalb des eigentlichen Dorfes auf staatlichem oder als waste land gekennzeichnetem Land oder auf den Grundstücken von Ziegeleien. Hochkastige Sozialarbeiterinnen weigerten sich, für die Studie in die Musahar-bastis zu fahren und auch Lokalpolitiker, die für kommunale Wahlen für sich warben, betraten die bastis nicht, sondern ließen Alkohol, Geld und Zigaretten am Auto abholen. Demgegenüber waren die Befragten häufig auch argwöhnisch gegenüber den Sozialarbeitern, da sie in der Vergangenheit schon häufiger von staatlichen Programmen, Politikern und NRO enttäuscht worden sind. In Schulen mussten manche Kinder separat von den anderen essen und in manchen Dörfern erlauben selbst andere Dalit-Gemeinschaften wie die Chamar (Gerber) den Musahar nicht, ihre Brunnen zu benutzen. In Einzelfällen waren Musahar aber auch in Netzwerke außerhalb ihrer Gemeinschaft integriert, zum Beispiel in von NRO angeleiteten Selbsthilfegruppen für Frauen.


Diskriminierung und Armut
Obwohl nicht repräsentativ, zeigt die Studie doch einige wichtige Merkmale der Lebensumstände der Musahar im Distrikt Varanasi auf. Diese Merkmale stehen in engem Zusammenhang mit dem Stigma als rat eaters. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, regelmäßig in der Öffentlichkeit diskriminiert zu werden, überwiegend durch das Verbot, öffentliche Plätze oder Einrichtungen zu besuchen. Bezeichnend waren beispielsweise Berichte darüber, dass Kinder in staatlichen Schulen von anderen Kindern mit eingefangenen Ratten gehänselt wurden, im Unterricht separat sitzen oder in der Pause separat essen mussten. Die Alphabetisierungsrate unter den Musahar ist sehr niedrig, häufig können nur die Kinder lesen und schreiben. Doch nur die wenigsten von ihnen gehen längerfristig zur Schule. Als Gründe hierfür wurden zu hohe Kosten, Diskriminierung, Heirat, Kinderarbeit und Arbeitsmigration genannt. Eine Rolle spielten außerdem der Bedarf, im Haushalt zu helfen, oder die Tatsache, dass die Eltern den Sinn einer weiterführenden Bildung nicht erkannten.


Auch die Arbeitssituation zeichnete sich im Rahmen der Studie als problematisch ab. Die große Mehrheit arbeitet als Tagelöhner, hinzu kommen einige Familien, die als bonded labourer in Ziegeleien schuften. Das Durchschnittseinkommen der befragten Personen lag bei 1500 Rupees im Monat, etwa 25 Euro. Die meisten befragten Familien waren daher hochverschuldet. Die psychische Last der finanziellen Not und der Perspektivlosigkeit ließ sie verstärkt zu Drogen greifen.


Dennoch blickten viele der befragten Musahar positiv in die Zukunft und gaben an, dass sich ihre Situation in den letzten Jahren auch aufgrund von staatlichen Programmen verbessert habe. Zwar kamen sie selten in den Genuss der vollen Fördermaßnahmen, setzten aber vor allem Hoffnungen in das Arbeitsprogramm NREGA3.


Die Zeiten, in denen die Musahar die Felder von Ratten säubern mussten, sind vergangen. Diese Aufgabe übernehmen jetzt chemische Mittel und technische Geräte. Aber ihr Stigma führen sie weiterhin im Namen. Und die Gesellschaft grenzt sie weiterhin aus.


Bislang haben sie in solcher Abgrenzung gelebt, dass sich selbst NRO kaum mit ihnen beschäftigen. Den Musahar selbst fehlt das Wissen und das Kapital, mit dem sie sich an Selbsthilfeprogrammen beteiligen könnten. Mit Milch und Süßigkeiten gefüttert – sprich anerkannt zu werden wie die Ratten im Karni-Mata-Tempel, bleibt für die Lebensrealität der Musahar in Uttar Pradesh, Bihar und Nepal vorerst ein ferner Traum.


Endnoten
1    Die anderen beiden befinden sich in Udaipur und Alwar.
2    Indische zigarettenähnliche Tabakware aus einem Tendublatt als Hüllblatt und Tabak oder anderen Kräutern als Füllung.
3    Der 2005 von der UPA-Regierung unter Premierminister Manmohan Singh initiierte Mahatma Gandhi National Rural Employment Gurantee Act (NREGA) garantiert theoretisch jedem Haushalt in ländlichen Gebieten 100 Tage bezahlter und unqualifizierter Arbeit im Jahr, beispielsweise in Infrastrukturprojekten.


Literaturhinweise
Bajracharya, Ashish (2006): The Empowerment of Women from the Excluded Communities in Bihar: A Documentation on the Nari Gunjan Model. In: Documentation Centre for Women and Children (2009): DCWC Research Bulletin 13, S. 6-7.
Bishwakarma, Bal Maya (2008): Educational Status of Musahar Community. In: Social Inclusion Research Fund, www.socialinclusion.org.np/researchdetail-172.html.
Dhuru, Arundhati (2008): Musahars: Bonded to Poverty. In: The South Asian.
Langton, Jerry (2007): Rat: How the World’s Most Notorious Rodent Clawed Its Way to the Top. Macmillan.
Martin-Dubost, Paul (1997): Ganesha: The Enchanter of the Three Worlds. Mumbai: Project for Indian Cultural Studies.
Sharma, Mukul (2002): Everyday Life of the Musahars in North Bihar. In: Joshi, Hemant/Sanjay Kumar (Hg.): Asserting Voices – Changing Culture, Identity and Livelihood of the Musahars in the Gangetic Plains. Delhi: Deshkal Publication, S. 19-41.

 

Zum Autor
Fabian Falter ist Vorstandsmitglied des Südasienbüros und Doktorand in der Bonn International Graduate School – Oriental and Asian Studies. 2010-2011 lebte er ein halbes Jahr mit seiner Frau in Varanasi, zusammen führten sie für die Nichtregierungsorganisation Lok Chetana Samiti eine Studie zu den Musahar durch.

Südasien 2/2015