Sri Lanka: Erblasten und Hoffnungsschimmer - Heft Nr. 3-4/2015

Titelbild Südasien-Heft 3-4/2015Ende 2014 vermutete die Sri Lanka Advocacy, dass in den nächsten Jahren keine Änderung in Sri Lanka zu erwarten sei. Als Mahinda Rajapaksa ankündigte, die nächste Präsidentenwahl vorzuziehen, wagten einige unserer Kolleg(inn)en in Sri Lanka geradezu euphorisch von einem Machtwechsel zu träumen. Wir blieben skeptisch. Glücklicherweise haben wir uns geirrt, den Wagemut und die soziale Dynamik gerade der zivilgesellschaftlichen Akteure und nicht zuletzt die Weisheit der Wähler in Sri Lanka frappant unterschätzt. Angesichts der Erblasten in allen Bereichen der Gesellschaft, von denen einige Artikel berichten, erstaunt erneut die Tatkraft, mit der unsere Autor(inn)en den Neubeginn angehen; ohne sich selbst mit Illusionen zu blenden. Das Rajapaksa-Regime war ja kein Betriebsunfall. Die ungenierte Selbstbedienung, das kriminelle Gebaren im Kontext politischer Macht, die mafiöse Beziehungsstruktur gab es auch schon früher; wenngleich nicht derart überdehnt. Mehrere Beiträge setzen daher darauf, dass notwendige Reforminitiativen wesentlich von der aktiven Zivilgesellschaft, an einigen Stellen insbesondere den Frauen, ausgehen müssen... Mehr...

 

„Wir warten nicht auf die Regierung!“

Selbstorganisierte Initiativen und ihre Herausforderungen im Rahmen der Not- und Übergangshilfe nach den Erdbeben in Nepal

Tessa Pariyar

Am 25. April 2015 gegen 12 Uhr mittags erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,9 auf der Richterskala das Land Nepal. Das stärkste Beben seit über 80 Jahren richtete innerhalb von nur 90 Sekunden ein unvorstellbares Maß an Zerstörung an. Das Epizentrum lag circa 80 km von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, im nordwestlich gelegenen Distrikt Gorkha. Häuser stürzten ein und begruben Menschen unter sich, Tempel und bedeutende Weltkulturerbestätten fielen in sich zusammen; durch das Erbeben ausgelöste Lawinen, Erd- und Felsrutsche löschten ganze Dörfer aus und machten diese dem Erdboden gleich. Nur gute zwei Wochen später, am 12. Mai 2015, bebte die Erde schon wieder. (aus Südasien 2/2015) Mehr ...

 

Der Habicht ist König, der Sperber Prinz und der Falke Soldat

Vogelhaltung und Vogeljagd in Afghanistan

Gunther Nogge und Ehsan Arghandewal

Vögel spielen im Leben der Afghanen eine große Rolle. Einerseits halten sie Singvögel verschiedener Arten in Käfigen, um sich an ihrem Anblick und ihrem Gesang zu erfreuen und setzen Wachteln und Steinhühner in Wettkämpfen ein. Andererseits bereichern Vögel auch den Speiseplan, vor allem südlich des Hindukusch zur Zeit des Vogelzugs. Im Frühjahr fallen dort viele Singvögel und Wassergeflügel Vogelfängern und -jägern zum Opfer. Jagdgeschichtlich besonders interessant sind die Methoden für das Anlocken von Störchen und Kranichen. Auch die Beizjagd, bei der Greifvögel zur Jagd eingesetzt werden, hat eine lange Tradition in Afghanistan. (aus Südasien 2/2015) Mehr ...

 

Glücksbringer und Elendsstifter zugleich

Ratten zwischen Verehrung und Ursache gesellschaftlicher Ausgrenzung

Fabian Falter

In europäischen Kulturen gelten Ratten als feige und hinterhältig, in Südasien unter anderem als ehrlich und kreativ. Die existierenden Rattenbilder könnten gegensätzlicher nicht sein. Aber auch in Südasien ist das Verhältnis zu den Nagern ambivalent: Während im Karni-Mata-Tempel bei Bikaner (Rajasthan) Tausende Ratten hofiert werden, lebt die Gemeinschaft der Musahar – der sogenannten rat eaters – am untersten Ende der Gesellschaft. Die „Ratte“ wird hier zur Ursache von Ausgrenzung. (aus Südasien 2/2015) Mehr ...

 

Tiere im sozialen, politischen und religiösen Kontext - Heft Nr. 2/2015

Titelbild Südasien-Heft 2/2015Tiere in Südasien – hochgezogene Augenbrauen und erstaunte Blicke waren häufige Reaktionen auf dieses Thema. Doch wer sich darauf einlässt und nachzudenken beginnt, in welchen sozialen, politischen und religiösen Kontexten Tiere eine Rolle spielen, wird reich entlohnt. Mensch-Tier-Beziehungen sind kulturell geprägt und daher gerade in Südasien mit seinen nationalen und regionalen Besonderheiten unglaublich vielfältig. Schon allein die komplexe religiöse Landschaft führt zu einem ebenso unterschiedlichen wie zum Teil widersprüchlichen Umgang mit Tieren. Hinzu kommen gesellschaftliche Aspekte wie das Kastensystem oder der koloniale Einfluss, die symbolische Aufladung von Tieren und der Aberglaube.. Mehr...

 

Eine Demokratie ist nur möglich, wenn die Straflosigkeit endet 

Zur gegenwärtigen Menschenrechtslage in Nepal

Bijay Raj Gautam

2006 endete der Krieg in Nepal. 13.000 Tote waren zu beklagen, Tausende wurden Opfer von Folter und sexueller Gewalt. Seitdem sucht das Land seinen Weg hin zu einer Demokratie. Doch bis heute werden Menschenrechtsverletzungen aus den Zeiten des Konfliktes nicht aufgearbeitet. Bis heute herrscht Straflosigkeit. Ein Zustand, den Menschenrechtsaktivisten immer wieder beklagen. (aus Südasien 1/2015) Mehr ...

 

Erst wenn uns Land und Wald wieder gehören, gehört uns auch wieder unser Leben

Modernisierungsprozesse setzen die Ernährungssicherheit der Adivasis aufs Spiel

Debjeet Sarangi

Die weltweite indigene Bevölkerung wird auf 370 Millionen geschätzt. 104 Millionen davon sind Adivasis, die in Indien ihr Zuhause haben. Sie vertreten eine Vielfalt an Kulturen und Traditionen, die sie im Einklang mit ihrer Umwelt entwickelt haben. (aus Südasien 1/2015) Mehr ...

 

Heimkehr

Nationale und religiöse Identitätsdiskurse im gegenwärtigen Indien

Heinz Werner Wessler

Premierminister Narendra Modi gibt sich als nationalpatriotischer Macher und wirtschaftsliberaler Modernisierer mit einem gesunden Sinn für die Sprache des kleinen Mannes. Seine Partei, die Bharatiya Janata Party (BJP) steht auch neun Monate nach seiner siegreichen Wahl weiterhin voll hinter ihm, die internationale Politik hofiert ihn. [...] Im Hintergrund rüstet ein kämpferischer Hinduismus auf, der seine zum Teil abstrusen Ideen als nationale Anliegen darstellt. Es gibt aber auch vereinzelte Versuche von Seiten der BJP und der Regierung, auf die Minderheiten zuzugehen. Die religionspolitischen Signale, die von der Regierung Modi ausgehen, sind unterschiedlich, doch insgesamt weht den Minderheiten ein scharfer Wind ins Gesicht. (aus Südasien 1/2015) Mehr ...